Aktuell
Nachmittagsbetreuung in Integrationsklassen nicht geregelt
Autor: Gerhard Walter
25.08.2006
Die kürzlich im Tiroler Landtag beschlossene Novellierung des Schulorganisationsgesetzes sollte die Nachmittagsbetreuung von SchülerInnen an den Pflichtschulen regeln. In unserem Schreiben vom 11. April 2006 wiesen wir LR Dr. Erwin Koler darauf hin, dass im Gesetzesentwurf die Nachmittagsbetreuung von SchülerInnen mit sonderpädagogischen Förderbedarf, die in Integrationsklassen unterrichtet werden, vergessen wurde und somit eine Diskriminierung vorliegt.
In seinem Antwortschreiben teilte uns LR Dr. Erwin Koler mit, dass er überzeugt sei, dass die Lehrerinnen und Lehrer imstande sind, Kinder mit SPF an den Regelschulen auch am Nachmittag optimal zu fördern und deshalb für ihn keine Diskriminierung erkennbar sei. Auf die grobe Benachteiligung der Schulintegration gegenüber den besseren Bedingungen an den Sonderschulen ging Landesrat Koler nicht ein.
Dass unsere Bedenken berechtigt waren, zeigt nun die Realität. So wurde den Eltern eines behinderten Kindes von der Direktion und vom Stadtmagistrat mitgeteilt, dass für ihren Sohn an der Regelschule wegen der fehlenden Personalressourcen keine Nachmittagsbetreuung angeboten werden kann. Dafür wurde den Eltern die Nachmittagsbetreuung an einer Sonderschule angeboten, weil dort die besseren Rahmenbedingungen bestehen würden, sprich mehr Personal zur Verfügung steht. Wo bleibt hier die von allen Verantwortlichen angepriesene Wahlmöglichkeit zwischen Integration und „Sonderbeschulung“? Aus unserer Sicht stellt diese Vorgehensweise eine grobe Diskriminierung eines behinderten Kindes dar.
Inzwischen wurde von der betroffenen Familie ein Schlichtungsverfahren beim Bundessozialamt eingeleitet – Schlichtungspartner ist der Bund. Sollte die Schlichtung scheitern, kann eine Klage auf Grundlage des Bundesbehindertengleichstellungsgesetzes gegenüber dem Bund beim Gericht eingebracht werden.
Schreiben an LR Dr. Erwin Koler vom 11. April 2006: Brief an LR Koler (44 KB)
Antwort von LR Dr. Erwin Koler vom 3. Mai 2006: Antwort von LR Koler (522 KB)
Mehr Information zum Thema Schulintegration finden Sie hier:
Integration Tirol
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